Download als PDF-Datei (30 KB)

1. Ziel der Arbeitsstudie

Gegenstand der Arbeitszeitstudie ist die Ermittlung von Leistungsdaten für das dauerhafte Markieren von Z-Bäumen mittels einer gelben Ölfarbe.


2. Arbeitsverfahren

Die durch den Revierleiter mittels Bändchen bereits festgelegten Z-Bäume sind durch eine Testperson mit gelber Ölfarbe nachträglich mit vier etwa 5 - 9 cm großen Punkten gekennzeichnet worden. Aus Gründen der längeren Haltbarkeit müssen zunächst Schmutz und lockere Borkenbestandteile vom Stamm gelöst werden. Forstwirtschaftsmeister Hubert Hipp führte die Arbeit im Ein-Mann-Verfahren durch.

Nach dem ordnungsgemäßem Abstellen des Fahrzeuges rüstet sich die Testperson zur Arbeit auf. Benötigtes Werkzeug wie Beil, Drahtbürste, Pinsel und kleiner Eimer sowie die Dose mit der Ölfarbe werden aus dem Kofferraum unmittelbar auf den Boden geräumt. An die Kleidung des Ausführenden sind keine konkreten Sicherheitsanforderungen gestellt, jedoch ist es sinnvoll Handschuhe und alte Arbeitskleidung zu tragen.

Nach dem Öffnen des Farbeimers, rührt die Testperson die Farbe mit einem kleinen Stöckchen so lange auf, bis diese eine gleichmäßige Konsistenz aufweist. Ein Teil der Farbe wird in den Eimer gegossen. Die Ausrüstung mit Säuberungswerkzeug(en) ist baumartenabhängig. In einem Buchenbestand (glatte Borke) ist die Drahtbürste während in einem Kiefern- bzw. Eichenbestand (grobe Borke) das Beil verwendet wird.

Nach erfolgter Aufrüstung mit dem entsprechenden Säuberungswerkzeug, Pinsel und gefülltem Eimer geht die Testperson in den Bestand und beginnt am Bestandesrand, um systematisch alle ausgezeichneten Z-Bäume des Bestandes aufzusuchen und dauerhaft zu markieren. Nachdem ein Baum aufgesucht wurde und der Farbeimer auf den Boden abgestellt ist, entfernt man im ersten Arbeitsschritt gegebenenfalls das Markierungsband durch Abriß und verstaut es in einem dazu geeigneten Behältnis (z.B. Jackentasche). In Brusthöhe erfolgt anschließend das Abbürsten bzw. das punktuelle Entfernen der groben Borke (nicht bis auf den Bast). Daraufhin wird die Bürste/das Beil abgelegt, gleichzeitig der Farbeimer samt Pinsel aufgenommen und die vier Punkte auf die bereits vorereitete Borke aufgetragen. Die Markierung des Baumes ist beendet, so daß mit dem Aufnehmen des vorher abgelegten Werkezeugs sowie der nächsten Baumaufsuche zum folgenden Arbeitsobjekt übergeleitet wird.

Nach Beendigung des Arbeitsauftrages bzw. kurz vor Feierabend ist der Pinsel mit einem geeigneten Lösungsmittel zu säubern, gegebenenfalls Farbreste in die Originalfarbdose zu entleeren und das Säuberungswerkzeug im arbeitstauglichen Zustand in das Fahrzeug zu verstauen.

 

3. Leistungsdaten

Grundlage der Leistungdatenerstellung ist die analytische Zeitnahme des Arbeitsverfahrens.

Im folgenden ist das Arbeitsverfahren in Zyklen und Arbeitsablaufabschnitte unterteilt. Die Meßpunkte als zeitliche Trennung der Ablaufabschnitte sind konkret herausgestellt.

Ablaufabschnitte Meßpunkt (Bewegungselement)
Aufüsten/Baum aufsuchen Beginn:öffnen der Fahrertür
Endpunkt:Abstellen des Farbeimers

(Loslassen des Henkels)

Reinigen der Borke Beginn:Endpunkt "Aufrüsten/Baum aufsuchen"
Endpunkt:Ablegen des Säuberungswerkzeugs und gleichzeitiges Aufnehmen des Farbeimers und Pinsel

(Ergreifen des Henkels)

Markierung des Baumes Beginn:Endpunkt "Reinigen der Borke"
Endpunkt:Aufnehmen des Säuberungswerkzeugs

(Umgreifen des Stiels)

Nur nach letztem Zyklus

Abrüsten

Beginn:Endpunkt "Markierung des Baumes"
Endpunkt:Schließen des Kofferraumes

Neben der Reinen Arbeitszeit und den Allgemeinen Zeiten wurde auch die Kontrollzeit für die einzelnen Zyklen erhoben.


4. Bezugsdaten

Erfaßte Bezugsdaten sind:


5. Auswertung und Interpretation

Die statistische Auswertung mit STATISTICA wird separat für Bestand 1 (Buchen-Altholz) und Bestand 2 (Kiefern-Fichten-Altholz) durchgeführt.
Abbildung 1:Anzahl der markierten Z-Bäume im Bestand 1 in Abhängigkeit von der Baumart

(n = 50).

Abbildung 2:Anzahl der markierten Z-Bäume im Bestand 1 in Abhängigkeit von der Baumart

(n = 40).

Insgesamt wurden 90 Z-Bäume permanent markiert; davon entfielen
50 Z-Bäume auf Bestand 1 40 Z-Bäume auf Bestand 2
Getrennt für jeden Bestand verteilen sich die Reine Arbeitszeit (RAZ), die Allgemeinen Arbeitszeiten (AZ) und die Gesamtarbeitszeit (GAZ) folgendermaßen:
RAZ76,60 min RAZ60,42 min
AZ18,52 min AZ20,81 min
GAZ97,19 min GAZ81,23 min
Als deskriptive Verfahren werden arithmetischer Mittelwert (), Standardabweichung (s), Standardfehler (s), Variationskoeffizent (v) und das Konfidenzintervall (VB) für jeden einzelnen Ablaufabschnitt, sowie für die RAZ, die AZ und die GAZ berechnet.
 

s

s,

v

VB [ 95%]

Baum aufsuchen

62.32

35.79

5.06

57.43

[ 52.15; 72.49]

Reinigen der Borke

35.84

14.41

2.04

40.21

[ 31.75; 39.93]

Markierung des Baumes

59.18

16.36

2.31

27.64

[ 54.53; 63.83]

RAZ

153.20

46.84

6.62

30.57

[ 139.89; 166.51]

AZ

37.04

156.45

22.13

422.38

[ -7.42; 81.50]

GAZ

194.38

154.66

21.87

79.57

[ 150.43; 238.33]

 

s

s,

v

VB [ 95%]

Baum aufsuchen

34.40

14.28

2.23

41.51

[ 29.83; 38.97]

Reinigen der Borke

61.78

17.77

2.81

28.76

[ 56.09; 67.46]

Markierung des Baumes

53.63

16.81

2.66

31.34

[ 48.25; 59.00]

RAZ

151.05

37.33

5.90

24.71

[ 139.11; 162.99]

AZ

52.03

145.39

22.99

279.44

[ 5.53; 98.52]

GAZ

203.08

145.36

22.98

71.58

[ 156.59; 249.56]

Arithmetischer Mittelwert
Standardabweichung s
Standardfehler s
Variationskoeffizent v
Konfidenzinterval VB
Die durchschnittliche Reine Arbeitszeit beträgt im Bestand 1 153.20 sec und im Bestand 2 151.05 sec. Während im Bestand 1 das Aufsuchen des Baumes im Mittel 40.67 % der RAZ beträgt (22.77 % im Bestand 2) wird im Durchschnitt im Bestand 2 für das Reinigen der Borke 40.90 % der RAZ aufgewendet (23.39 % im Bestand 1). Der Zeitanteil der Markierung des Baumes an der RAZ unterscheidet sich in beiden Beständen nur marginal (38.63 % im Bestand 1 vs. 35.51 % im Bestand 2).

Der hohe Standardfehler bei den Allgemeinen Zeiten und folglich auch bei der Gesamtarbeitszeit in beiden Beständen ist auf den Anfall der Allgemeinen Zeiten in nur wenigen Zyklen zurückzuführen.

Die durchschnittliche Leistung (RAZ) beträgt
39.22 Bäume pro Stunde 39.74 Bäume pro Stunde
Der benötigte Stichprobenumfang:
t =t-Wert aus T-Tabelle ~ 2
v =Variationskoeffizient der Stichprobe
R =Repräsentationsfehler = 5 %
beträgt für die RAZ
N= 149.52 N= 97.69
Da weder im Bestand 1 noch im Bestand 2 der benötigte Stichprobenumfang erhoben wurde, sind die Ergebnisse dieser Arbeitsstudie nicht repräsentativ und können lediglich als eine Vorstudie betrachtet werden.

Zur Überprüfung der Annahme, daß im Bestand 1 mehr Zeit als in Bestand 2 für das Aufsuchen des Baumes benötigt wird, wurde ein t-Test für unabhängige Stichproben durchgeführt.

Tabelle 3: Arithmetischer Mittelwert () ; t-Wert Freiheitsgrade (df) ;
Signifikanzniveau (p) für den t-Test für unabhängige Stichproben
(Bestand 1 und Bestand 2) in den Variablen Aufsuchen, Markieren und RAZ.

Tabelle 3 zeigt, daß sich Bestand 1 und Bestand 2 im Aufsuchen des Baumes signifikant ( a =1 %) unterscheiden, nicht jedoch im Markieren des Baumes und in der RAZ. Zum einen sind im Bestand 1 die Geländebedingungen erschwert. Zum anderen beträgt im Bestand 1 der mittlere Abstand der Z-Bäume 12.81 m vs. 10.91 m im Bestand  2.

Für das Reinigen der Borke wird ein Vergleich zwischen den Baumarten Buche und Kiefer vorgenommen. Die Baumarten Fichte (n=2), Eiche (n=1) und Esche (n=1) werden aufgrund des geringen Stichprobenumfangs nicht berücksichtigt.

 

Variable

Bestand 1

Bestand 2

t-Wert

df

p

Aufsuchen

62.320

34.400

4.642

88

0.000012**

Markieren

59.180

53.625

1.581

88

0.117426

RAZ

153.200

151.050

0.236

88

0.813731

 

Variable

Buche

Kiefer

t-Wert

df

p

Reinigen

34.620

63.222

-8.801

84

0.000000**

Markieren

58.180

54.861

0.914

84

0.363497

RAZ

150.800

154.056

-0.343

84

0.732710

Tabelle 4: Arithmetischer Mittelwert (), t-Wert, Freiheitsgrade (df) und
Signifikanzniveau (p) für den t-Test für unabhängige Stichproben
(Baumarten Buche und Kiefer) in den Variablen Aufsuchen,
Markieren und RAZ.

Tabelle 4 zeigt, daß das Reinigen der Borke bei der Kiefer signifikant (a =1 %) mehr Zeit erfordert als bei der Buche. Für das Reinigen der groben Borke der Kiefer wurde eine Axt verwendet, während bei der glatten Buchenborke die Verwendung einer Drahtbürste genügte.

Keine signifikanten Unterschiede können beim Markieren der Buche und der Kiefer sowie in der RAZ zwischen den beiden Baumarten festgestellt werden.

Wie in der statistischen Auswertung gezeigt werden konnte, sind sowohl Geländebedingungen als auch die Baumart wichtige Einflußfaktoren, die in der Erstellung der Vorgabezeiten berücksichtigt werden sollten.

7. Ermittlung von Vorgabezeiten

Zur Ermittlung eines Normalleistungstarifs werden die Ergebnisse der Zeitstudie auf Normalleistung umgerechnet. Es konnte keine qualifizierte Leistungsgradbeurteilung durchgeführt werden. Die Verwendung eines Leistungsgrades von 110 % ist ein Schätzwert.

Die Allgemeinen Zeiten bei dieser Studie betragen im Bestand 1 18.52 min. (24.18 % der RAZ) und im Bestand 2 20.81 min. (34.44 % der RAZ). Zur Ermittlung des Normalleistungstarifs werden die AZ aus beiden Beständen summiert und auf die RAZ der gesamten Studie (13 702 sec.) bezogen. Tabelle 5 zeigt die Aufteilung der AZ und den Anteil an der RAZ.

 

Zeit in Sekunden

% der RAZ

Rüstzeit

1955

14.27 %

sachliche Verteilerzeit

553

4.04 %

persönliche Verteilerzeit

1322

9.65 %

Erholzeit

103

0.75 %

Pausenwegzeit

0

-

S AZ

3933

28.71 %

Tabelle 5: Verteilung der Allgemeinen Zeiten (AZ) in Sekunden und im prozentualen Anteil der
Reinen Arbeitszeit (RAZ) für die Gesamtstudie.

Wie sich in der statistischen Auswertung (t-Test) gezeigt hat, sind sowohl Bestandesbedingungen (Aufsuchen des Baumes) wie auch die Baumart (Reinigen der Borke) signifikante Einflußgrößen auf der RAZ. Um den Unterschieden in den Bestandesbedingungen und der Beschaffenheit der Borke bei den einzelnen Baumarten Rechnung zu tragen, werden vier potentielle Arbeitsbedingungen unterstellt:

 

glatte Borke

grobe Borke

einfacher Bestand

1

2

schwieriger Bestand

3

4

Die RAZ pro Zyklus setzt sich in den einzelnen Arbeitsbedingungen folgendermaßen zusammen:

1. einfacher Bestand/glatte Borke
Ø Aufsuchen des Baumes in Bestand 2 34,40 sec.
Ø Reinigen der Borke in Bestand 2 35,84 sec.
Ø Markieren der Borke in Bestand 1 und 256,52 sec.
Ø RAZ pro Zyklus126,76 sec.
2. einfacher Bestand/grobe Borke
Ø Aufsuchen des Baumes in Bestand 2 34,40 sec.
Ø Reinigen der Borke in Bestand 2 61,78 sec.
Ø Markieren der Borke in Bestand 1 und 256,52 sec.
Ø RAZ pro Zyklus152,70 sec.
3. schwieriger Bestand/glatte Borke
Ø Aufsuchen des Baumes in Bestand 2 62,32 sec.
Ø Reinigen der Borke in Bestand 2 35,84 sec.
Ø Markieren der Borke in Bestand 1 und 256,52 sec.
Ø RAZ pro Zyklus154,68sec.
4. schwieriger Bestand/grobe Borke
Ø Aufsuchen des Baumes in Bestand 2 62,32 sec.
Ø Reinigen der Borke in Bestand 2 61,78 sec.
Ø Markieren der Borke in Bestand 1 und 256,52 sec.
Ø RAZ pro Zyklus180,62 sec.
Die AZ pro Baum in den einzelnen Arbeitsbedingungen errechnen sich nach der Formel:
1. einfacher Bestand/glatte Borke AZ pro Baum = 38,71 sec.
2. einfacher Bestand/grobe Borke AZ pro Baum = 46,65 sec.
3. schwieriger Bestand/glatte Borke AZ pro Baum = 47,24 sec.
4. schwieriger Bestand/grobe Borke AZ pro Baum = 55,17 sec.

Die Vorgabezeit errechnet sich aus der Grundzeit (RAZ*Leistungsfaktor/Zyklen) und der AZ pro Baum:

 

glatte Borke

grobe Borke

einfacher Bestand

178,15 sec.

214,62 sec.

schwieriger Bestand

217,39 sec.

253,85 sec.

Aus diesen Tabellenzeiten können nun individuell für jeden Bestand in Abhängigkeit von den Baumarten und den Bestandesbedingungen die zeitlichen Richtwerte für das permanente Markieren der Z-Bäume ermittelt werden.

Die Validität der Ergebnisse ist aufgrund der kleinen Stichprobe, der Konfundierung mehrerer Variablen (Baumart und Bestandesbedingung) sowie der geringen Variation der Variablen (2 Baumarten, 2 Bestände) fraglich und sollte deshalb mit Vorsicht auf reale Situationen übertragen werden.



Die Arbeitsstudie wurde durchgeführt von:

Julius Forneck
Lars Kaller
Stefanie Knorpp
Hans-Georg Pannwitz



Anfang