Auch heute ging es wieder „fast“ pünktlich um 8.30 Uhr los. Heute besuchten wir den zweiten Teil des Müritz-Nationalparks. Bevor wir dort ankamen, hatten wir in Neustrelitz einen kurzen Aufenthalt von 15 Minuten. Anschließend trafen wir in Zinow am Waldparkplatz die Herren Barovke und Sendle von der Forstverwaltung. Im Gegensatz zum gestrigen Teil des Parks wird der Serrahner Teil von Forstleuten betreut. Ende 1995 wurde die Forstverwaltung dem Nationalparkamt angeschlossen.
Der Serrahner Teil des Müritz-Nationalparks umfasst 6.200 ha, wobei ca. 500 ha mit Seen und Mooren bedeckt sind. Er befindet sich im Bereich einer Endmoräne der Weichselkaltzeit, die Strelitzer Bogen genannt wird. Durch diese Lage ergibt sich ein sehr bewegtes Relief. Hier finden wir eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mecklenburg-Vorpommerns. Lediglich die Gemeinde Goldenbaum liegt in diesem Gebiet, welche auf übrig gebliebenen Rodungsflächen gegründet wurde. Die Böden sind dort besser und werden auch noch landwirtschaftlich genutzt.
Der Ostteil des Parks ist wie der größere Teil in Kernzone, Pflegezone und Entwicklungszone eingeteilt. In der Entwicklungszone gibt es eine Waldbehandlungsrichtlinie, die die einzelnen Bestände in verschiedene Kategorien einteilt. In Laubholzbeständen gibt es keinerlei Eingriffe, außer bei der Rot-Eiche (Quercus rubra) in geringem Maß. Nadelholzbestände, die älter als 80 Jahre sind, werden auch nicht mehr genutzt. Bei jüngeren Nadelholzbeständen erfolgen Auflichtungshiebe, um Laubhölzer zu fördern, da das Schutzgebiet hauptsächlich mit Kiefernmonokulturen bedeckt ist. Allerdings erfolgt hier keine Pflege aus forstlicher Sicht, sondern eine Pflege auf den Vitalsten (hier = Protz). Ein wirtschaftliches Produktionsziel ist nicht vorhanden. Dennoch wird das geschlagene Holz als Industrieholz und Abschnitte genutzt. Dadurch wird die Arbeit für den Revierleiter sehr gewöhnungsbedürftig. Alle 10 Jahre werden die zu nutzenden Bestände im Einrichtungswerk neu beurteilt.
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| Blutauge (Comarum paluste L.) |
Unser erster Halt war der Beobachtungsstand am Großen Serrahner See. 1860 wurde der Wasserspiegel des Sees wegen des Baus einer Straße um einen halben Meter gesenkt. Dadurch entstand ein Verlandungsmoor. Es handelt sich hier um ein sehr intaktes Moor, welches vielen seltenen Pflanzen (z.B. Schilf, Moosbeere, Bärlapp) und Tieren (z.B. Fischadler, Seeadler, Rohrweihe, Kranich, Rohrdommel) als Lebensraum dient. Nach der Trockenlegung vererdete das Moor, so dass man heute problemlos darüber gehen kann. In Jahren mit Niedrigwasser samen sich Birke und Kiefer an, die jedoch keine Chance haben, zu überleben. Die Feuchtgebiete waren in früherer Zeit über Gräben miteinander verbunden, um die damalige Wassermühle zu betreiben, was zur Zerstörung der Feuchtgebiete führte. Ab den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden sie renaturiert und sind heute wieder voll wachsende Moore.
Unser weiterer Weg führte entlang der ehemaligen Ufergrenze. Wir erfuhren, dass der Bärlapp, welcher früher sehr häufig vorkam, heute von der Heidelbeere verdrängt wird. Einige Meter weiter kamen wir an einer Fläche, die einer Mondlandschaft glich, vorbei. An dieser Stelle hatten Wildschweine den Boden umgebrochen, um an die Wurzeln des Adlerfarns zu kommen.
Auf einer Waldlichtung kamen wir an die Dorfstelle des ehemaligen Dorfes Sarran, welches für das heutige Serrahn namengebend war. Besonders an dieser Stelle bekam man einen Einblick in die Geologie der Region, da hier einige Granitblöcke, die sonst tief im Boden liegen, zu Tage getreten sind. Der Granit wurde mit einer Endmoräne aus Skandinavien herangeschafft. Im Untergrund ist zwar Kalk als Geschiebe vorhanden, hat aber für den Oberboden keinerlei Bedeutung. In der ganzen Region findet sich ein nährstoffarmer Sandboden, der eigentlich für die Buche zu schlecht wäre. Allerdings hatte sich durch frühere Pflanzen und Bäume ein Humushorizont gebildet, der den Hauptnährstoffspeicher darstellt und es der Buche ermöglichte, bis zum Mittelalter die vorherrschende Baumart zu bleiben. Begünstigt wurde dies noch durch das subatlantisch geprägte Klima. Nach der Rodungsphase im Mittelalter und der landwirtschaftlichen Nutzung war der Boden so devastiert, dass nur noch Kiefernanpflanzungen möglich waren.
Unser Spaziergang führte uns dann nach Serrahn, wo unter anderem drei Biotope auf engem Raum aufeinander treffen:
à Buchen–Wald
à Hang mit Trockenrasen
à feuchte Senke
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| Erlenbruch im Müritz-Nationalpark, Serrahner Teil |
In Serrahn machten wir Mittagspause und hatten die Möglichkeit, eine Ausstellung über den Serrahner Teil des Nationalparks anzuschauen. Dort wurde vor allem auf die Geschichte des Ortes eingegangen:
Während der großen Rodungsperioden des Mittelalters wurden auch hier große Flächen Wald in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt. Davon zeugt die Siedlung Sarran, deren Reste vor 50 Jahren im Wald gefunden wurden. Die Geschichte der Besiedlung geht bis in die Slavenzeit zurück. Das Dorf selbst wurde 1427 zum letzten Mal urkundlich erwähnt. Danach wurde es wie andere auch wegen der schlechten landwirtschaftlichen Bedingungen aufgegeben (Wüstungsperiode).
1848 ließ Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz seine Ländereien umzäunen. Es entstand dadurch ein Wildpark von 2000 ha Größe und 29 km Zaunlänge. Der Grund für diese Bestrebung war die Befürchtung des Herzogs, dass durch die Revolution die Jagd für Jedermann geöffnet werden könnte. Durch den Zaun sollte das Wild auf seinem Grund und Boden gehalten werden. In diesem Wildpark befanden sich ein Jagdschloss und fünf kleine Hüttchen, welche für die angestellten Wildhüter vorgesehen waren. 1911 wurde das Forsthaus erbaut und nachdem 1918 der Wildpark für die Bevölkerung geöffnet wurde, nahmen die Besucherzahlen so stark zu, dass sich der dortige Förster eine Schankkonzession ausstellen ließ. Kurz nach Kriegsende 1945 brannte das Jagdschloss ab. 1949 wurde Hubert Weber Revierförster. Er begründete in Serrahn die Vogelschutzstation, die später zur biologischen Station Serrahn wurde.
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| Buche-Totholz mit Zunderschwamm |
Bevor der Müritz-Nationalpark gegründet wurde, war Serrahn schon Naturschutzgebiet. Alles begann 1941 mit zwei Halbinseln im Schweingartensee. Später kamen besonders wertvolle Waldgebiete, die als Totalreservate von jeder Nutzung ausgenommen wurden, dazu. 1977 erfolgte eine Erweiterung von 856 ha auf 1818 ha. Das Naturschutzgebiet wurde 1957 zusammen mit umliegenden Jagdgebieten zum Wildforschungsgebiet, welches 1985 der Inspektion Staatsjagd unterstellt wurde. Diese Periode endete 1989.
Nach unserem Besuch in Serrahn durchquerten wir die Schutzzone 1, in der wir an einem Bodeneinschlag vorbei kamen: Der Boden ist sehr sandig mit geringem Lehmanteil und entwickelt sich zur Braunerde. Die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens beträgt nur cirka 10 %, durch das atlantische Klima liegt der Wasserhaushalt im mittleren Bereich.
Als wir dann endlich zurück zum Bus kamen verabschiedeten wir uns von unseren beiden Begleitern. Alle waren heilfroh, endlich den Massen von Schnaken entkommen zu können, die uns stundenlang geplagt hatten. Doch das war zu früh gefreut, denn unser Weg führte uns in die „Heiligen Hallen“, in denen die Schnaken mindestens genauso zahlreich waren.
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| Heilige Hallen in der Zerfallsphase |
Das Naturschutzgebiet „Heiligen Hallen“ befindet sich im Naturpark Feldberger Seenlandschaft in der Nähe des Ortes Lüttenhagen und ist 25 ha groß. Es ist der älteste Buchenwald Deutschlands und steht seit 1938 unter Naturschutz. Der Wald mit seinen 350jährigen Buchen wird seit 100 Jahren nicht mehr bewirtschaftet und befindet sich in der Zerfallsphase. Die Altholzbestände sterben ab und unter guten Lichtverhältnissen setzt der Verjüngungsprozess ein. Die Zerfallsphase wird charakterisiert durch eine außerordentliche Strukturvielfalt, durch abgestorbene Stümpfe, vermoderte Stämme, auffällige Krebsüberwallungen, Zunderschwammkonsolen und eine Vielzahl saprophytischer Pilze. Die übrige Vegetation entspricht weitgehend der verbreiteten Waldgesellschaft des Perlgras-Buchenwaldes. Typisch sind einzelne eingelagerte Kesselmoore mit ihrer arteigenen Vegetation. Auch die Säugetier- und Vogelwelt weist keine großen Besonderheiten zur Umgebung auf. Andererseits führt der hohe Anteil alter und kranker Bäume zu einem höheren Höhlenangebot für Fledermäuse und andere Höhlenbewohner.
1850 wurde durch den Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz verfügt, diesen Wald für alle Zeiten zu schonen. Damals erinnerten die stark und geradlinig gewachsenen Bäume an Säulen eines gotischen Domes. So entstand der Name „Heilige Hallen“.
Nach einer etwa dreistündigen Fahrt kamen wir in der Jugendherberge Born-Ibenhorst in Born/Darß an.
(Claudia Halpick, Melanie Kirchhöfer)