Exkursion nach Mecklenburg-Vorpommern

Samstag, 1. Juni 2002

Vormittag

Biosphärenreservat Süd-Ost Rügen, Mönchgut

 

Weißdorn, Rügen
Weißdorn im BSR Südost-Rügen

Fläche:                       29 km²

Küstenlänge:             50 km

Niederschlag:           470-480 mm/ Jahr

Geologie:                  Moräne

Gestein:                     Geschiebe und Kreide stehen unterschiedlich an

 

Als Mönchgut wird der südöstlichste Teil Rügens bezeichnet. Er grenzt sich vom Mönchgraben ab, der nördlich von Baabe vom Selliner See zur Außenküste führt.
Geomorphologisch ist sie gekennzeichnet durch ihre sanften Hügel, Bodden, zerklüfteten Rändern und Sandstränden. Das gesamte Mönchgut ist Teil des Biosphärenreservat Süd-Ost Rügen. Dieser am stärksten gegliederte Teil der Insel Rügen übt auf Bewohner und Besucher einen ganz besonderen Reiz aus.

Geschichte

Im 13. Jh. Verkauften die rügener Fürsten ihre Ländereien um Reddewitz an das Zisterzienserkloster Eldena bei Greifswald. Bis 1316 erwarben die Mönche allmählich die gesamte Halbinsel und besiedelten ihr „Mönchgut“ ausschließlich mit Niedersachsen, die ihre Hagendörfer nach heimischem Vorbild bauten und ihr spezielles Brauchtum pflegten. Zu dieser Zeit war die übrige rügener Bevölkerung größtenteils noch slawisch. Die Bewohner des Mönchgut errichteten den (Mönchgraben), um sich von der übrigen Inselbevölkerung abzugrenzen. Diese Distanzierung bestand weit über die Reformation von 1536 hinaus und ist bis heute noch zu spüren.

Greifswalder Bodden von Südost-Rügen aus
Greifswalder Bodden von Mönchsgut (BSR Südost-Rügen) aus

 

Schafweide
extensive Beweidung durch Schafe im BSR Südost-Rügen

Biosphärenreservat

Die beeindruckende Landschaft des Mönchgutes war schon in der DDR als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Nach der Wende wurde das Biosphärenreservat Süd-Ost Rügen gegründet, in dem auch das Mönchgut liegt.

 

Landschaft

Die Moränenlandschaft wurde während der Weichseleiszeit gebildet. Zur Zeit der Zisterzienser wurde in den unteren Lagen Ackerbau betrieben, die oberen Lagen dienten der Viehweide. Der Geländeübergang von Ackerbau zu Viehweide ist heute noch anhand von Absetzkanten erkennbar. Heute wird nur noch in den Ortsrandlagen Ackerbau betrieben. Um der Sukzession entgegen zu treten werden die Flächen mit Schafen beweidet. Das Nationalparkamt vergibt dafür vergibt dafür Pflegeaufträge an private Schafzüchter. Diese können, wegen fehlender Absatzmärkte nicht kostendeckend wirtschaften und müssen vom Land subventioniert werden.

 

Vegetation

Die standörtlichen Vorraussetzungen, geringe Niederschläge, die hohe Verdunstung auf den stark umwindeten Kuppen und die historischen Nutzungen haben zur Bildung von Trocken- und Magerrasen geführt. Die in unterschiedlicher Tiefe anstehende Kreide (kalkarm) beeinflusst den Kalkgehalt des Bodens und somit die Zusammensetzung der Vegetation. Es wurden durchschnittlich 130 Pflanzenarten pro 20 m² kartiert.

 

Selbst die Bodenverwundungen durch starken Begang von Touristen stellen Rückzugsstandorte für heute seltene Ackerwildkräuter dar z. B. Kelchsteinkraut und Sandstrohblume.

Auswahl vorkommender Pflanzenarten

Kalkarmer Trockenrasen (Magerrasen):

Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), Gewöhnliche Kreuzblume (Polygala vulgaris), Nickendes Leimkraut (Silene nutans), Berg-Haarstrang (Peucedanum oreoselinum),  Kleine Pimpernelle (Pimpinella saxifraga), Wiesenraute (Thalictrum spec.) , Zittergras (Briza media) und Wiesen-Kammgras (Cynosorus cristatus).

 

Kalkreicher Trockenrasen:

Schwalbwurz (Vincetoxicum hirundinaria), Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris), Flaum-Hafer (Avena pubescens), Gewöhnlicher Reiherschnabel (Erodium cicutarium), , Ackerkohl (Conringia orientalis),  Einjähriges und Ausdauerndes Knäuelkraut (Scleranthus annuus, S. perennis), Gewöhnliche Hundszunge (Cynoglossum officinale), Kleine Pimpinella (Pimpinella saxifraga), Sand-Thymian (Thymus serpyllum), Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum).

 

(A. Keim, T. Müller und G. Hieke)

 

Nachmittag

Mittelwaldwirtschaft:

Die Buchenwälder auf dem Mönchsgut sind stark geprägt von einer Mittelwaldbewirtschaftung. Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten die Buchen-Althölzer zum größten Teil als Brennholzlieferant für die ansässige Bevölkerung. In folge dessen wurden die damals vorhandenen Rotbuchen auf den Stock gesetzt und das Waldbild bis heute nachhaltig geprägt.

Die Stockausschlagfähigkeit der Rotbuche wird hier eindeutig durch die Küstennähe begünstigt. Allerdings bleibt die Rotbuche auch hier weit hinter den stockausschlagfähigeren Baumarten, wie Hainbuche, Eiche, Linde und Sal-Weide zurück.

Blütenpflanzen:

Des weiteren konnte man eine große Anzahl von Wiesen-Wachtelweizen (Melampyrum pratense) und Hain-Wachtelweizen (Melampyrum nemorosum) finden. Der Hain-Wachtelweizen ist hier erst am Westrand seiner Verbreitung schon in relativ großer Zahl zu finden. Je kontinentaler die Verhältnisse, desto häufiger ist das Vorkommen dieser Wachtelweizenart. Der Hain-Wachtelweizen ist sehr typisch für diese Landschaft, da er durch die nährstoff- und basenreichen, lichten Buchenwälder optimale Bedingungen erhält.

Bodenerosion:

Durch spiralförmige Windstrudel wird der Sand am Fuße der Klippen abgetragen, heraufgeweht und an der Oberseite und im Binnenland wieder abgelagert.

Somit kommt es zu Sandverwehungen, ähnlich einer Dünenwanderung.

An den Abbruchstellen lassen sich ähnlich wie bei Jahrringen an Bäumen die Schichtungen der abgelagerten Sande erkennen.

Durch die Erosion am Fuß der Klippen kommt es zu Verrutschungen, was sich ebenfalls an den Abbruchstellen erkennen lässt.

Stadt Putbus:

Während des kurzen Besuches der Stadt Putbus wurde vor allem der sog. Circus, sowie die Schlossparkanlagen besichtigt.

 

Fürst Wilhelm Malte von Putbus, namensgebend für den Ort, ließ zwischen 1808 und 1823 die Gebäude rund um den alten Markt und von 1833 bis 1848 den Circus errichten.

Besonders erwähnenswert ist hier das Pädagogium, erbaut von Schinkel, das in früheren Zeiten als Bildungsstätte vor allem für die adlige Jugend genutzt wurde;

Sowie das Kriegerdenkmal im Zentrum des alten Marktes, das an die drei reichsgründenden Kriege (1864, 1866 und 1870/71) erinnert.

 

Rathaus von Stralsund
Rathaus von Stralsund

Die Schlossparkanlagen wurden von 1725 bis 1730 als Barockgarten angelegt und

Von 1810 bis 1825 zu einem Landschaftspark mit einer Größe von 75 ha ausgeweitet.
Die Schönheit und die Einmaligkeit dieses Schlossparks wird vor allem durch die alten, großen und somit ausdrucksstarken Solitärbäume unterstrichen.

 

Das ursprünglich klassizistische Schloss wurde nach einer Brandkatastrophe im Jahr 1865 wieder errichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Schloss hauptsächlich als Unterkunft für Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten.

1958 wurde das baufällige Schloss aus Geldmangel gesprengt.

 

Putbus, die einstige slawische Siedlung, die im 13.Jahrhundert eingedeutscht wurde erhielt erst in den 60er Jahren das Stadtrecht.

Noch heute gilt Putbus als kulturelles Zentrum der Insel Rügen.

 Heimfahrt

Bevor wir die lange, nächtliche Rückreise nach Rottenburg antraten, gönnten wir uns zum Abschluss noch einen kurzen Besuch in der Hansestadt Stralsund mit seinen Backsteinhäusern.

(Thore Wolf; Willi Kannapin)